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Publikation "20 Jahre Rostock-Lichtenhagen" erschienen

Das Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock hat heute eine Broschüre über Rostock-Lichtenhagen veröffentlicht, die in der Realisierung auch von unserem Verein unterstützt wurde. Sie kann bei der Uni Rostock kostenlos bestellt und online eingesehen werden. Im Folgenden die Pressemeldung der Universität:

Rostocker Politikwissenschaftler: „Noch immer Leerstellen in der Aufarbeitung von Lichtenhagen“

Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften veröffentlicht Publikation „20 Jahre Rostock-Lichtenhagen. Kontext, Dimensionen und Folgen der rassistischen Gewalt“

Die Dimensionen der rassistischen Gewalt in Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren und die Aktualität ihrer Aufarbeitung untersucht eine Publikation, die Mitarbeiter und Studierende des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock heute vorgestellt und veröffentlicht haben. Die 88-seitige Publikation erscheint als Heft 32 in der institutseigenen Reihe „Rostocker Informationen für Politik und Verwaltung“.

„Noch immer gibt es Leerstellen in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema wie auch in der Aufarbeitung in Politik und Gesellschaft“, teilt Thomas Prenzel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, mit. „Mit der Publikation wollen wir auf vergessene Zusammenhänge hinweisen und bislang wenig beachtete Aspekte herausstellen. Zugleich können unsere Texte die fortgesetzte Auseinandersetzung mit den Ereignissen von 1992 unterstützen und in der politischen Bildungsarbeit eingesetzt werden.“ Thomas Prenzel stellt in seinem einleitenden Text die Gewalt im Kontext der Debatte um das Asylrecht dar: „Rostock-Lichtenhagen ist nicht nur mit der spezifischen sozialen Situation in den neuen Bundesländern und den weitreichenden Versäumnisse der Behörden, sondern auch der emotionalen Debatte um das Grundrecht auf Asyl zu erklären. Der Rassismus in dieser Debatte hat seinen Widerhall in Rostock gefunden, wo er in letzter Konsequenz Gewalt- und Mordbereitschaft hervorgebracht hat.“

„Eine aktive Gedenkkultur der demokratischen Zivilgesellschaft hat sich in Stadt und Land nur in Ansätzen entwickelt. Das Gedenken an Rostock-Lichtenhagen unterliegt konjunkturellen Phasen an symbolischen Daten“, ergänzt Roman Guski, der sich der Aufarbeitung von Lichtenhagen und den Perspektiven des Gedenkens gewidmet hat. „Anlässlich des 10. Jahrestages hat die Stadt Rostock sich bei den Opfern entschuldigt. Der 20. Jahrestag sollte Anlass sein, endlich einen dauerhaften Gedenkort zu finden.“

Abschließend wird der Diskurs um die rassistische Gewalt unter dem ideologietheoretischen Konzept der konformistischen Revolte von Stephan Geelhaar, Ulrike Marz und Thomas Prenzel untersucht. „Insbesondere Roma aus Südosteuropa waren in den Wochen vor der Gewalt als sogenannte ‚Zigeuner‘ einem besonders heftigen Rassismus ausgesetzt, der sich auch in den lokalen Medien wiederfand. Diese antiziganistische Dimension trat zwar im Verlauf der Gewalt zurück und machte einem allgemeinen Rassismus Platz. An Interesse und Empathie gegenüber den Opfern des antiziganistischen Ressentiments und der damit legitimierten Gewalt fehlt es jedoch bis heute“, legt Ulrike Marz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie und Demographie, dar. „Stattdessen ist die Zuschreibung der Gewalt auf eine gesellschaftliche Randgruppe rechter ‚Chaoten‘ zu beobachten. Dabei wird ignoriert, dass das Bündnis von Anwohnerschaft und Neonazis in seiner Gewalt gegen den Staat jenen zwingen wollte, eine ersehnte einfache Ordnung herzustellen, die in ihrer Gestalt ihrer autoritären Charakterstruktur entsprechen sollte.“